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Grüne Anleihen - zwei Schritte vorwärts, einen zurück?

von Rhys Petheram, Co-Fondsmanager des Jupiter Global Ecology Diversified SICAV, und Jon Wallace, Aktien-Analyst im Umwelt- und Nachhaltigkeitsteam bei Jupiter Asset Management

Grüne Anleihen sind gefragt wie nie, müssen jedoch noch einige Herausforderungen überwinden. Nun, da die weltweite Ausgabe grüner Anleihen die 500-Milliarden-Dollar-Marke durchbrochen hat, stellt sich die Frage, in welche Richtung der Markt sich künftig bewegen wird.

Für einen Markt, der nicht viel älter als zehn Jahre ist, ist das Volumen der ausgegebenen grünen Anleihen durchaus beeindruckend. Die Anlageklasse wird von Investoren immer stärker nachgefragt. Nach Angaben von Credit Agricole machen grüne Anleihen inzwischen über 5 Prozent des gesamten Angebots in Euro aus, ohne Berücksichtigung von Staatsanleihen. Dies ist eine erfreuliche Nachricht. Gerade angesichts der großen Hoffnungen, dass der Markt für grüne Anleihen eine zentrale Rolle bei der Schließung der großen Finanzierungslücke spielen kann, um beispielsweise dringende Klimaschutzziele zu erreichen. Allein in der EU werden schätzungsweise rund 180 Milliarden Euro pro Jahr an zusätzlichen Investitionen für Energieeffizienz und erneuerbare Energien benötigt, um die Klimaziele 2030 zu erfüllen.

Hier ist noch ein weiter Weg zu gehen. Seit der Marktentstehung für grüne Unternehmensanleihen im Jahr 2013 beschäftigen wir uns mit diesem Markt und investieren in ihn. Wir sind der Meinung, dass sich die schwierigen Teenagerjahre als entscheidend für die Beantwortung der Frage erweisen werden, ob der Markt sein Potenzial voll entfalten kann.

Forderung nach „zusätzlichem Kapital“

Quantität ist nicht gleich Qualität. Wenn man davon ausgeht, dass der Zweck von grünen Anleihen darin besteht, die Finanzmittel für umweltverträgliche Investitionen aufzustocken, um die Wirtschaft nachhaltiger zu machen, dann wird man eine Enttäuschung erleben, wenn die Marktteilnehmer diesen Anspruch nicht erfüllen und unter Beweis stellen können. Ein zentraler Aspekt dieser Problematik ist die Zusätzlichkeit – also die Frage, ob die von grünen Anleihen finanzierten Aktivitäten auch ohne deren Ausgabe umgesetzt worden wären und ob diese Anleihen entscheidend zur Bewältigung von Problemen wie dem Klimawandel beitragen.

Diese Überlegungen mögen vielen offensichtlich erscheinen, aber der Begriff der Zusätzlichkeit beginnt gerade erst zu den wichtigsten Marktteilnehmern vorzudringen. Wir begrüßten daher den Schwerpunkt auf Zusätzlichkeit bei der letzten jährlichen Green Bond Principles (GBP) Consultation. Auffällig ist jedoch, dass unter den GBP-Mitgliedern – diejenigen, die grüne Anleihen ausgegeben, gezeichnet oder darin investiert haben – mehr als drei Viertel glauben, dass grüne Anleihen zusätzliches Kapital liefern. Bei den allgemeinen Beobachtern der GBP sinkt diese Zahl dagegen auf etwas mehr als die Hälfte der Befragten. Da die nicht direkt zur Branche gehörenden Akteure also doppelt so häufig der Meinung sind, dass Defizite bezüglich der Zusätzlichkeit überwunden werden müssen, tut sich nach unserem Verständnis eine besorgniserregende Glaubwürdigkeitslücke auf. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem die langfristigen Zukunftsziele des Marktes im Fokus stehen.

Wohlwissend um diese Problematik erklärte die Technical Expert Group, die zur Umsetzung des EU-Aktionsplans für nachhaltige Finanzierungen (einschließlich eines EU-weiten Standards für grüne Anleihen Ende 2019) geschaffen wurde, bei Aufnahme ihrer Arbeit, dass „Zusätzlichkeit und Anreize für die Ausgabe grüner Anleihen einer weiteren Bewertung unterzogen werden“. Die beiden Themen Zusätzlichkeit und Anreize sind unserer Meinung nach eng miteinander verbunden. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Anreize für die Ausgabe grüner Anleihen nicht mit den übergeordneten Nachhaltigkeitszielen in Einklang stehen, ist groß, wenn man zuvor nicht die Möglichkeit eines „Greenwashings“ einschränkt. Doch dieser Aspekt soll gemäß des Aktionsplans gezielt angegangen werden.

Langfristige Klimaziele im Fokus

Mit Blick auf die nächste Ausgabewelle sind wir überzeugt, dass diese Probleme gar nicht früh genug gelöst werden können. Betrachten wir beispielsweise den Telekommunikationssektor, wo Telefonica und Verizon kürzlich grüne Anleihen ausgegeben haben. Deren Erlöse tragen zur Finanzierung der Umstellung der Telekommunikationsinfrastruktur von Kupfer auf Glasfaser und zur Modernisierung des Netzes auf 5G bei. Obwohl die Anleihen in beiden Fällen an den Green Bond Principles ausgerichtet sind, bezweifeln wir, dass beide viel dazu beigetragen haben, die Finanzierungslücke, welche die EU zu schließen hofft, zu verkleinern. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die geschätzten 137 Milliarden Euro, die für den Anschluss der EU-Haushalte an Glasfaser-Breitbandnetze erforderlich sind, vollständig finanziert werden, und zwar unabhängig von nachhaltigen Finanzierungsinitiativen wie dem Markt für grüne Anleihen.

Darüber hinaus entspricht diese Zahl etwa drei Vierteln des jährlichen neuen Kapitals, das für Projekte im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz benötigt wird, wenn eine realistische Chance bestehen soll, die EU-Klimaziele für 2030 zu erreichen. Glasfaser-Breitband wird sicherlich eine Rolle im Gesamtkonstrukt der Lösungen spielen, die zur Erreichung dieses Ziels erforderlich sind. Zum Beispiel bei der Verbindung intelligenter Geräte, die mehr Energieeffizienz ermöglichen können. Angesichts der neuen Bedenken hinsichtlich der Zusätzlichkeit wird unserer Meinung nach jedoch zunehmend erwartet, dass Investoren die relativen Auswirkungen solcher Projekte mit denjenigen Projekten vergleichen sollten, die möglicherweise eine wichtigere Rolle bei der Erreichung langfristiger Klimaziele spielen werden. Die Investition in grüne Anleihen für Projekte, die möglicherweise nicht mehr als „Business as usual“ sind, erfolgt zu den Opportunitätskosten von nicht finanzierten Projekten.

Zusätzlichkeit als Wachstumstreiber

Unsere Zusammenarbeit mit Emittenten grüner Anleihen in verschiedenen Branchen und Regionen stimmt uns zuversichtlich, dass die Frage der Zusätzlichkeit nicht mehr nur als ein nettes Konzept behandelt wird. Der EU-Aktionsplan für nachhaltige Finanzierungen trägt dazu bei, sie weiter in den Mittelpunkt zu rücken. Marktteilnehmer haben die Hoffnung, dass grüne Anleihen aufgrund ihrer potenziell zentralen Rolle bei der Lösung dringender globaler Herausforderungen im Bereich nachhaltiger Entwicklung breite Anerkennung finden. Die größte Herausforderung für den Markt wird darin bestehen, dem Eindruck entgegenzuwirken, dass Zusätzlichkeit in gewisser Weise ein Hindernis für weiteres Wachstum ist. Unserer Ansicht nach wird Zusätzlichkeit – wenn sie nachgewiesen werden kann – angesichts des Umfangs der jährlichen Finanzierungslücke vielmehr ein wichtiger Wachstumstreiber auf dem Markt für grüne Anleihen sein.

Unser Ansatz

Insgesamt begrüßen wir die Expansion des Marktes in den letzten Jahren sehr. Als „grün“ gekennzeichnete Anleihen machen mittlerweile 23 Prozent des Vermögens des Jupiter Global Ecology Diversified Fonds aus. Außerdem ergänzen sie die Kernbeteiligungen des Portfolios an Unternehmen, die Lösungen im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit anbieten. Zur Verdeutlichung: Grüne Anleihen finanzieren in der Regel keine grünen Projekte, sondern Unternehmen, die ihrerseits versprechen, in grüne Projekte zu investieren. Zur Bestimmung der tatsächlichen Auswirkung ist diese feine Unterscheidung wichtig und deshalb haben wir die Investmentkriterien für grüne Anleihen im Zuge der vorschreitenden Marktreife weiter verschärft. Zusätzlich zu unserer Finanzanalyse suchen wir nach grünen Anleihen von Organisationen mit robusten ökologischen Nachhaltigkeitsstrategien, die direkt in ein Regelwerk für grüne Anleihen eingebunden sind. So ist ein klarer Weg zur Erreichung dieser Ziele durch weitere Projekte in der Zukunft gewährleistet.

https://www.green-bonds.com/
(Foto: Rhys Petheram
© Jupiter)

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